Kapitel 10

 

Die Adam-Gott-Lehre

 

aus „Mormonism – Shadow or Reality?“ von Jerald und Sandra Tanner

übersetzt von Manfred Trzoska

 

 

Die Adam-Gott-Lehre war ein natürlicher Auswuchs der Lehre von der Vielheit der Götter. Obwohl diese Lehre nicht vor 1852 öffentlich gelehrt wurde, wurde Adam seit dem Anfang der Mormonenkirche in höchstem Ansehen gehalten.

 

 

Hinauffallen

 

Der Mormonenapostel John A. Widtsoe machte folgende Aussage in Bezug auf Adam und Eva: “In Joseph Smiths Philosophie über das Dasein wurden Adam und Eva auf den höchsten Platz unter den Menschenkindern erhoben, nur an zweiter Stelle nach dem Erlöser. Ihre Tat sollte mit Jubel begrüßt werden. Sie waren die großartigsten Figuren seit Alters. Der so genannte ‚Fall’ wurde eine notwendige, EHRENVOLLE Handlung, um den Plan des Allmächtigen auszuführen.“ (Joseph Smith-Seeker After Truth, S. 160) Das Buch Mormon enthält folgende Aussage: „Adam fiel, dass Menschen würden; und Menschen sind, dass sie Freude haben können.“ (Buch Mormon, 2. Nephi 2:25) In Joseph Smiths Produkt „Das Buch Moses“ lesen wir folgendes:

„Und an jenem Tage pries Adam Gott... und fing an... zu prophezeien und sagte: Gepriesen sei der Name Gottes, denn wegen meiner Übertretung sind meine Augen geöffnet worden; und ich werde in diesem Leben Freude haben und Gott wieder im Fleische schauen.

Und Eva... freute sich und sagte: Wäre es nicht unserer Übertretung wegen, so hätten wir nie Samen gehabt und hätten nie Gutes und Böses und die Freude unserer Erlösung und das ewige Leben gekannt, das Gott allen Gehorsamen gibt.“ (Köstliche Perle, Moses 5:10-11)

 

Joseph Fielding Smith, der 1970 der 10. Präsident der Kirche wurde, machte folgende Aussage: “Der Fall des Menschen kam als eine verkleidete Segnung,… Ich spreche nie in Bezug auf die Rolle, die Eva in diesem Fall hatte, von einer Sünde, auch klage ich Adam für keine Sünde anes ist nicht immer eine Sünde, ein Gesetz zu übertreten.

Wir können kaum etwas als Sünde ansehen, aus dem solche Vorteile hervorgehen, in dem Sinne, wie wir Sünde betrachten.“ (Doctrines of Salvation, Bd. 1, S. 114-15)

Sterling W. Sill, der ein Mitglied des Ersten Kollegiums der Siebzig ist, machte folgende Aussagen: „Vor einiger Zeit hörte ich einen Radiosprecher, der den Fall Adams erörterte. Er schien zu denken, dass Adam für die meisten Probleme, die gegenwärtig unsere Welt plagen, verantwortlich gemacht werden sollte...

Diese alte sektiererische Lehre, die sich um die Vorstellung der natürlichen Verderbtheit und Schwachheit des Menschen als Erbe von Adam aufgebaut hat, ist die Wurzel zahlloser Probleme unter uns. Adam war einer der großartigsten Menschen, der je auf der Erde gelebt hat…

Unter Christus steht Adam immer noch an unserer Spitze… Adam fiel, aber er fiel in die richtige Richtung. Er fiel dem Ziel entgegen

Adam fiel, aber ER FIEL HINAUF. Jesus sagt uns, 'kommt höher herauf'. Unsere größte Notwendigkeit ist es, unsere Standards zu erhöhen, die Standards unseres Denkens und die Standards unseres Lebens.“ (Deseret News, Kirchenteil, 31. July 1965, S. 7)

 

In seiner These „The Social Psychological Basis of Mormon New Orthodoxy“ macht Owen Kendall White Jun. folgende interessante Bemerkungen:

 

„Der Mormonimus verwirft die Ansicht, dass der Zustand des Menschen am besten mit „Verderbtheit“ zu beschreiben ist. Nirgends in der Mormonentheologie ist ihr Optimismus in Bezug auf den natürlichen Zustand des Menschen deutlicher zu sehen, als in der Verleugnung der christlichen Lehre der Erbsünde… Im Gegensatz zur orthodoxen, christlichen Ansicht, dass der Fall den Zustand menschlicher Verderbtheit zur Folge hatte, macht die mormonische Ansicht geltend, dass der Fall eine notwendige Bedingung für den Menschen war, um sein letztes Potential zu verwirklichen… Die Mormonen vermeiden die Verwendung von 'Sünde', um Adams Ungehorsam Gott gegenüber zu beschreiben, weil es für sie zu extrem erscheint... für die Mormonen ist der Fall eher ein Fall hinauf als hinunter. Er ist ein wichtiger Schritt in der ewigen Suche des Menschen. In einem jüngsten Artikel schrieb Sterling Sill, ein zeitgenössischer mormonischer Kirchenbeamter: 'Adam fiel, aber er fiel in die richtige Richtung.'...

Ein zweiter, wenn auch vielleicht nicht so bedeutender Beweis für die mormonische Ablehnung der Ursünde findet man in dem Status, den Adam in der mormonischen Engelwelt einnimmt. Entgegen der Ansicht der buchstabengläubigen, christlichen Orthodoxie, bei der Adam als die Ursache für das menschliche Leiden angesehen wird, als den Schurken, der die Menschheit in diesen Schlamassel brachte, hält der Mormonismus Adam tatsächlich lieber in allerhöchstem Ansehen…

Innerhalb der mormonischen Engelkunde ist Adam Michael der Erzengel, der Hochbetagte. Er half bei dem Schöpfungsprozess und wird bei der Auferstehung der Toten helfen. Er hält Positionen von Bedeutung inne, nahe den Mitgliedern der Gottheit. In der Tat wurde Adam im frühen Mormonismus so hoch angesehen, dass Brigham Young ihn in den Status Gottes erhob. ("The Social Psychological Basis of Mormon New-Orthodoxy," Magisterarbeit von Owen Kendall White Jun., University of Utah, Juni 1967, S. 101-104)

weiter

Kapitel 9 "Die Gottheit"

Kapitel 10 "Die Adam-Gott-Lehre"

Kapitel 20 "Die Jungfrauengeburt"

aus "Mormonism - Shadow or Reality?"
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